Maiwagen 2005
Besser denn je…
“Besser denn je”, das war schon immer unser Motto, vor allem wenn man die Geschichte unseres Wagens betrachtet. Nur hatten wir den Wagen in den letzten Jahren schon sehr weit ausgebaut und die bereits bestehenden Features einfach noch weiter zu vergrößern, würde das Gewicht des Wagens so sehr aufblähen, dass wir ihn schlichtweg nicht mehr ziehen könnten. Und das Ziehen war immer als muss betrachtet worden, alleine schon wegen des Flairs.
Doch halt! Da war immer noch dieser spinnige Traum vergangener Jahre gewesen, der ab und zu mit einem Grinsen und Leuchten in den Augen diskutiert worden war und dann wieder verworfen und vergessen. Doch nun, dieses Jahr war es soweit:
Unser Wagen wurde computerisiert!
Und somit kommt auch unser 1. Mai-Wagen schließlich und endlich im 21. Jahrhundert an. Zum Glück haben einige von uns in den vergangenen Jahren das nötige Wissen und Können erworben, um den großen Schritt durchführen zu können. Denn wir haben nicht einfach nur einen PC in den Wagen gesteckt und vielleicht gar noch MS-Windows draufgeklatscht und das wars dann. Nein dieses Jahr wurde selbstentwickelte Steuerungssoftware mit vielen tausend Zeilen Programmcode, wurden selbstentwickelte Schaltkreise, Computersysteme unterschiedlicher Größenklassen, Funktechnologien und periphere Gadgets eingebunden und zusammengebracht, damit der Wagen eben wirklich die computerisiert-mediale “Experience” des 21. Jahrhunderts bieten kann.
Trotz allem wurde dieses Jahr noch vor allem als Evaluierung für die grundsätzliche Einsatzfähigkeit eines PCs auf dem Maiwagen genutzt und deswegen “nur” Bluetoothgesteuerte mp3-Wiedergabe, automatische Webcambilder und eine Lichtshow (Mikrokontroller) eingesetzt, um die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten abzustecken.
Die Computerisierung lief bis auf ein paar kleinere Problemchen und einen etwas schwerwiegenderen Last-Minute-Bug in der Lichtshow ausserordentlich glatt – trotz unzureichender Abschlußtests im Vorfeld. Der PC hielt bei 30° im Schatten und vielen Schlaglöchern 9 Stunden lang ohne zu murren, aber mit viel Musik und Funkverkehr, durch. Die Webcam generierte über 5000 Fotos.
Doch das, dieses Jahr, ist nur der Anfang einer neuen Epoche der Maiwagentour. Denn nach dem Erfolg steht nun noch viel abgefahreneren PC+Mikrokontroller-basierten Features für den Maiwagen in den kommenden Jahren nichts mehr im Wege. Unsere Ideen überschlagen sich schon und in den nächsten Jahren wird der Wagen technisch “nach den Sternen greifen”. So stay tuned!
Kurzübersicht Wagen 2005:
Zusätzlich zu dieser Übersicht gibt es eine ausführliche Entstehungsgeschichte.
Der Wagen allgemein:
- Grosse Wanne für Getränke + Eis
- Stabile, grosse Räder mit Achslenkung vorne und Doppeldeichsel zum Ziehen
- Grill auf dem Wagen
- 2 Autobatterien 100Ah+66Ah @ 12V für 2 Kilowattstunden Energie
- Mp3-CD Autoradio als Backup (auf der Tour 2005 zum Glück nicht im Einsatz)
- 640 Watt Endstufe
- 2×3 Wege Soundsystem-Boxen
- Bassreflexröhre im Holzresonanzkörper
- Festplatte in selbstgebautem, stoßdämpfenden Gehäuse
- PC in Plexiglasgehäuse auf dem Wagen; Gehäuselüfter sorgen für Durchzug
- Musikgesteuerte LED-Lichtshow
- Schalterkasten für PC-Radio-Endstufe im Gehäuse geschützt
Der PC und die Elektronik im Speziellen:
- 12V DC ATX-Netzteil
- CPU: stromsparender und kühler AMD K6-2 400
- Mainboard: ASUS
- RAM: 192 MB SD133
- Festplatte: 10 GB in Spezialgehäuse
- Ethernet: 100 MBit
- WLAN: 54Mbit
- Bluetooth: USB-Dongle Class I
- Sound: Creative SB Live!
- Webcam: eine etwas “antike” Creative Webcam II
- Mikrokontroller (uC) Board: selbst entworfenes/geätztes/bestücktes Board zum Messen und für die Lichtshow
- uC: Atmel AVR Atmega16
- uC-Board und PC sind über den seriellen Port verbunden
- Steuerungsgeräte (über Bluetooth-Funk): iPaq Handheld-PC mit familiar Linux+Opie, Symbian Smartphones
PC, Handheld und uC Software
- Betriebssystem: Debian GNU/Linux, Kernel 2.6.11.4-i386
- Grafische Oberfläche: Xvncserver + KDE 3.3 (virtuell über das Netz nutzbar, da keine Grafikkarte)
- Administration: vnc oder ssh über WLAN oder Bluetooth-TCP/IP-PAN
- Musik: XMMS mp3-Abspielprogramm
- Musiksteuerung: kbemused-server aus dem kdebluetooth framework.
- Lichtshow: selbst entwickeltes XMMS-Plugin für eine serielle Visualisierung (YALS).
- Handheld-Steuerungsprogramme: selbst entwickelter Bemused Client für iPaq Linux-Opied “opiemused”, bemused client für Symbian Smartphones.
- uC Software in AVR-Assembler

Demovideo (5 MB, Quicktime) der Lichtshow, in diesem Fall vom Laptop aus angesteuert, deswegen auch der schlechte Sound – aber gleiches Programm, gleiche Technik, wie auf dem MaiPC.

Vorne das 3-Wegen Soundsystem und obendrauf der PC in seinem Gehäuse, in der Mitte die Wanne und hinten der Grill und die Basstube. Festplatte samt Spezialgehäuse, Endstufe und Batterien sind im Inneren verborgen.

Der Wagen aus einer etwas anderen Perspektive.

Der PC ohne sein schützendes Gehäuse. Links hinten die Webcam und das Bluetoothdongle. Rechts daneben das 12V DC ATX Netzteil. Rechts hinten der Mainboard-Teil des PC mit der auffallenden Abwesenheit von Maus/Tastatur oder Grafikkarte. Vorne der Schalterkasten und die Lichtshow mit dem Lichtshowboard. Das Lichtshowboard ist mit dem Mikrokontrollerboard, welches sich im Wageninneren befindet, über ein sehr langes Flachbandkabel verbunden.

Unter dem PC im Wageninneren finden die 100Ah Batterie und das spezielle Festplattengehäuse platz. Die 66Ah Batterie ist hinten neben der Basstube gelagert (nicht auf diesem Bild zu sehen). Ganz rechts ist die Bleiabschirmung zu sehen, die die Festplatte vor dem Magnetfeld der Boxen schützt.